Eine Frage, die ich regelmäßig bekomme: Was kostet ein Rechenzentrum pro MW?
- 7. Apr.
- 3 Min. Lesezeit
CapEx-Benchmarks, Kostentreiber und die häufigsten Kalkulationsfehler in der DC-Entwicklung
Was kostet ein Rechenzentrum pro MW? Diese Frage steht am Anfang fast jeder Investitionsentscheidung in der Rechenzentrumsentwicklung. Und sie ist berechtigt. Wer ein Rechenzentrum entwickeln, erwerben oder finanzieren will, braucht eine belastbare Kostenschätzung als Grundlage.
Die ehrliche Antwort lautet: Es kommt darauf an. Aber das ist keine Ausrede, sondern die Einleitung zu einer differenzierten Betrachtung, die in diesem Artikel vollständig aufgeschlüsselt wird.
Was mit CapEx pro MW gemeint ist
Der Begriff CapEx pro MW bezieht sich auf die Gesamtinvestitionskosten eines Rechenzentrums, dividiert durch die installierte IT-Leistung in Megawatt. Er ist die wichtigste Kenngröße für den Vergleich von Rechenzentrumsprojekten.
Dabei ist Vorsicht geboten: MW ist nicht gleich MW. Es gibt die installierte IT-Leistung, also die tatsächliche Leistung der Server und IT-Ausrüstung. Es gibt die angeschlossene elektrische Leistung am Netzanschlusspunkt, die höher ist, weil Kühlung, USV-Verluste und sonstige Betriebsinfrastruktur zusätzliche Leistung benötigen. Und es gibt die geplante oder genehmigungsfähige Leistung, die noch nicht realisiert ist.
Wer CapEx-Benchmarks vergleicht, muss immer prüfen, auf welche MW-Definition sich die Angabe bezieht. Unterschiedliche Definitionen machen Vergleiche sonst wertlos.
Realistische CapEx-Benchmarks
Auf dem deutschen und europäischen Markt gelten aktuell folgende Richtwerte als belastbare Benchmarks:
Für Greenfield-Projekte, also Neubauten auf der grünen Wiese, liegen die Gesamtinvestitionskosten in der Regel zwischen 10 und 15 Millionen Euro pro MW IT-Leistung. Der Wert variiert je nach Ausbaustandard, Verfügbarkeitsklasse, Kühlkonzept und regionalem Preisniveau.
Für Brownfield-Projekte, also die Umnutzung bestehender Gebäude, liegen die Kosten tendenziell zwischen 8 und 12 Millionen Euro pro MW. Die Einsparung durch die vorhandene Gebäudehülle beträgt in der Regel 10 bis 20 Prozent der Gesamtinvestition. Allerdings kommen zusätzliche Kosten für Due Diligence, Bestandsertüchtigung und gegebenenfalls Altlastensanierung hinzu, die diesen Vorteil reduzieren können.
Diese Benchmarks gelten für professionelle Rechenzentrumsprojekte mit hohen Verfügbarkeitsanforderungen. Einfachere Installationen mit geringeren Redundanzanforderungen können günstiger realisiert werden.
Die wichtigsten Kostentreiber
Innerhalb dieser Bandbreite gibt es erhebliche Unterschiede. Die wichtigsten Kostentreiber sind folgende:
Die Verfügbarkeitsklasse ist der stärkste Treiber. Ein Rechenzentrum der Tier-IV-Klasse nach Uptime Institute, also mit vollständiger Redundanz aller kritischen Systeme und einer garantierten Verfügbarkeit von 99,995 Prozent, kostet deutlich mehr als ein Tier-II-Rechenzentrum mit einfacher Redundanz. Der Unterschied kann 30 bis 50 Prozent der Gesamtinvestition betragen.
Das Kühlkonzept hat ebenfalls erheblichen Einfluss. Luftkühlung ist günstiger in der Investition, aber teurer im Betrieb. Flüssigkühlung und Immersionskühlung sind teurer in der Investition, aber effizienter im Betrieb und bei hohen Serverdichten oft die einzige praktikable Option. Mit steigenden Leistungsdichten in modernen KI-Infrastrukturen gewinnt die Flüssigkühlung zunehmend an Bedeutung.
Der Netzanschluss ist eine weitere wichtige Kostenposition, die häufig unterschätzt wird. Bei Standorten mit guter Netzinfrastruktur kann der Netzanschluss eine überschaubare Position sein. Bei Standorten mit schlechter Netzinfrastruktur kann er zur dominierenden Kostenposition werden.
Die Grundstückskosten variieren regional erheblich. In Ballungsräumen wie Frankfurt oder München können sie einen signifikanten Anteil an den Gesamtkosten ausmachen. In ländlichen Regionen spielen sie eine untergeordnete Rolle.
Die häufigsten Kalkulationsfehler
In der Praxis werden bei der Kostenkalkulation von Rechenzentrumsprojekten immer wieder dieselben Fehler gemacht.
Der erste und häufigste Fehler ist die Verwendung von Baukosten als Proxy für Gesamtkosten. Die reinen Baukosten für Gebäude und Hülle machen bei einem modernen Rechenzentrum oft nur 20 bis 30 Prozent der Gesamtinvestition aus. Wer nur die Baukosten kalkuliert, unterschätzt das Projekt massiv.
Der zweite häufige Fehler ist die Unterschätzung des Netzanschlusses. Wie im ersten Artikel dieser Serie beschrieben, können Netzanschlusskosten bei ungünstiger Standortsituation mehrere Millionen Euro betragen, die in frühen Kalkulationen fehlen.
Der dritte Fehler ist die Verwendung von Benchmarks ohne Anpassung an die spezifische Projektsituation. Ein Benchmark aus Frankfurt ist nicht auf einen ländlichen Standort in Bayern übertragbar. Ein Benchmark aus dem Jahr 2022 ist angesichts der erheblichen Preissteigerungen bei Baumaterialien und technischer Ausrüstung nicht mehr aktuell.
Der vierte Fehler ist das Vergessen von Projektentwicklungskosten. Planungskosten, Gutachten, Genehmigungsverfahren, Projektsteuerung und Finanzierungskosten können zusammen 10 bis 15 Prozent der Gesamtinvestition ausmachen und dürfen in keiner seriösen Kalkulation fehlen.
Was eine belastbare Kostenschätzung leisten muss
Eine belastbare Kostenschätzung für ein Rechenzentrumsprojekt ist kein Richtwert aus dem Internet. Sie basiert auf der spezifischen Projektsituation: Standort, Grundstück, Netzanschlusssituation, geplante IT-Leistung, Verfügbarkeitsklasse, Kühlkonzept und Zeitplan.
Sie berücksichtigt alle Kostenpositionen, vom Grundstückserwerb über den Netzanschluss bis zu den Projektentwicklungskosten. Und sie weist Unsicherheiten transparent aus, statt eine Scheinsicherheit durch Einzelzahlen zu erzeugen.
Fazit
Die Frage nach den Kosten pro MW lässt sich seriös nur mit Kenntnis des konkreten Projekts beantworten. Richtwerte zwischen 8 und 15 Millionen Euro pro MW IT-Leistung sind als erste Orientierung nützlich, aber kein Ersatz für eine projektspezifische Kalkulation. Wer Investitionsentscheidungen auf Basis von groben Benchmarks trifft, ohne die spezifischen Kostentreiber seines Projekts zu kennen, geht ein erhebliches Risiko ein.

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