Stromversorgung bei Hyperscale Data Centers: Was sind die Anforderungen?
- Florian Späth
- 14. Mai
- 2 Min. Lesezeit
Strom ist das Lebensmittel eines Rechenzentrums. Ohne unterbrechungsfreie, hochverfügbare Stromversorgung gibt es kein Asset – nur eine leere Stahlbetonhülle. Die Anforderungen an die Stromversorgung bei modernen Hyperscale-Rechenzentren sind enorm – und sie beginnen nicht im Gebäude, sondern im Stromnetz.
Die Versorgungskette: Von der Hochspannungstrasse bis zum Server-Rack
110-kV-Netzanschluss: Der erste und kritischste Schritt. Für 10 MW Anschlussleistung ist ein gesicherter 110-kV-Anschluss erforderlich. Für Hyperscale-Anlagen ab 50 MW wird oft ein eigener Umspannwerksneu- oder -ausbau notwendig. Entfernung und Kapazität der nächsten Hochspannungsstation sind deshalb zentrale Standortkriterien.
Transformation: Vom 110-kV-Netz wird die Spannung über Transformatoren auf 20 kV und dann auf Niederspannung (400 V) transformiert. Für große Rechenzentren sind mehrere Transformatoren in Redundanzschaltung Standard.
USV (Unterbrechungsfreie Stromversorgung): Die USV überbrückt den Zeitraum zwischen Netzausfall und Anlaufen der Diesel-Aggregate – typischerweise 10 bis 30 Sekunden. Moderne USV-Systeme arbeiten mit Lithium-Ionen-Batterien (höhere Energiedichte, schnellere Ladezeiten als Blei-Säure).
Diesel-Aggregate (Notstrom): Bei längerem Netzausfall übernehmen Diesel-Aggregate die Versorgung. Standard für Tier-III/IV: N+1 Redundanz, Kraftstoffvorrat für mindestens 12 bis 48 Stunden.
Was Hyperscale-Anforderungen von normalen Rechenzentren unterscheidet
Scale: Ein Hyperscale-Campus mit 100 MW benötigt einen Stromanschluss, der einer mittelgroßen Stadt entspricht. Das erfordert oft den Neubau oder erheblichen Ausbau von Netzinfrastruktur durch den Netzbetreiber.
Redundanz: Hyperscale-Betreiber fordern häufig doppelte Netzeinspeisung aus verschiedenen Richtungen – um auch bei Beschädigung einer Leitung den Betrieb aufrechterhalten zu können.
Eigenversorgung: Viele Hyperscaler bauen ergänzend eigene Solaranlagen oder schließen langfristige PPAs (Power Purchase Agreements) für erneuerbare Energie ab – ESG-Anforderungen und Energiekosten-Hedging als Treiber.
Warum die Stromversorgung die Standortentscheidung bestimmt
Kein Standort ohne gesicherte Netzanbindung. Das ist keine Einschränkung meiner Arbeit als Developer – das ist die Grundlogik dieses Markts. Deshalb ist die Substationsdistanz und die auf Basis öffentlicher Netzdaten einschätzbare Netzeignung das erste Kriterium in meinem Standort-Screening. Alles andere kommt danach.
Kontakt: www.fs-cid.com

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