Hyperscale vs. Colocation Rechenzentrum: Was ist der Unterschied?
- Florian Späth
- 2. Mai
- 2 Min. Lesezeit
Wenn Investoren über Data Center sprechen, meinen sie oft sehr unterschiedliche Dinge. Hyperscale und Colocation sind nicht dasselbe – sie unterscheiden sich fundamental in Größe, Nutzerstruktur, Mietmodell, Entwicklungsanforderungen und Risikoprofil. Dieser Artikel erklärt beide Modelle aus Entwickler- und Investorenperspektive.
Hyperscale Data Center: Maßgeschneidert für einen Nutzer
Hyperscale-Rechenzentren werden für oder von einem einzigen Großnutzer betrieben – typischerweise Cloud-Konzerne wie Microsoft Azure, Amazon AWS, Google Cloud oder Meta. Sie sind auf maximale Skalierbarkeit ausgelegt und starten heute selten unter 50 MW, häufig in Campus-Strukturen mit 100 bis 500 MW Gesamtleistung.
Aus Entwicklerperspektive bedeutet Hyperscale: ein Nutzer, ein Mietvertrag, ein Risiko. Das Upside ist enorm – ein langfristiger Mietvertrag mit einem A-rated Mieter ist wertvoller als zehn Colocation-Verträge. Das Downside: ohne vorverhandelten Mietervertrag (Pre-Lease) ist das Projekt für normale Investoren nicht finanzierbar.
Colocation-Rechenzentrum: Multi-Tenant mit diversifiziertem Risikoprofil
Colocation-Rechenzentren vermieten IT-Infrastruktur (Rack-Space, Power, Kühlung, Konnektivität) an viele verschiedene Unternehmen. Die Größe variiert erheblich – von 1 bis 2 MW für regionale Edge-Rechenzentren bis zu 30 bis 50 MW für große Carrier-Hotels und regionale Colo-Hubs.
Aus Investorenperspektive ist Colocation attraktiver für breitere Investorenkreise: diversifiziertes Mieterportfolio, schrittweise Auslastung und kein Single-Tenant-Klumpenrisiko. Der Mietpreis pro MW ist bei Colocation in der Regel höher als bei Hyperscale-Direktmietverträgen – aber die Auslastungsrisiken sind realer.
Edge Data Center: Der dritte Typ
Ergänzend gibt es Edge-Rechenzentren: kleine, latenzoptimierte Anlagen (oft unter 2 MW) die nah an den Endnutzern positioniert werden. Für Regionen außerhalb der großen DC-Hubs (Frankfurt, Berlin, München) können Edge-Standorte strategisch sehr interessant sein – besonders für kritische Anwendungen wie autonomes Fahren, Industriesteuerung oder KI-Inferenz.
Die Entwicklungsanforderungen sind geringer als bei Hyperscale, aber die Skalierungsperspektive ist begrenzt.
Welche Unterschiede sind für die Standortentwicklung relevant?
Hyperscale-Standorte brauchen mehr Fläche (oft 5 bis 30 Hektar), mehr Netzkapazität (100 MW+ Anschlussleistung) und mehr Wasserverfügbarkeit. Der Developer muss deutlich früher mit dem Nutzer im Gespräch sein – ein Hyperscale-Projekt ohne Letter of Intent eines Ankermieters ist ein hochriskantes Wagnis.
Colocation-Standorte sind flexibler: sie können auch ohne Vormieter entwickelt und in Phasen ausgebaut werden. Das macht sie für ein breites Investorenspektrum zugänglicher und erleichtert die Finanzierungsstrukturierung.
In welche Richtung entwickelt FS Consult Infra Development?
Meine aktuelle Standortpipeline konzentriert sich auf Greenfield- und Brownfield-Standorte mit 10 bis 50 MW IT-Leistungspotenzial – geeignet sowohl für Colocation-Modelle als auch als Hyperscale-Zubringer. Entscheidend ist, dass ein Standort investitionsreif aufbereitet wird – die Positionierung (Colo vs. Hyperscale) richtet sich dann nach dem Investor und dem Marktumfeld.
Kontakt: www.fs-cid.com

Kommentare