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GMP-Vertrag vs. Totalunternehmer bei Rechenzentrumsprojekten

Florian Späth
4. Mai
2 Min. Lesezeit

Die Wahl des Vergabemodells ist eine der folgenreichsten Entscheidungen in einem Rechenzentrumsproject. GMP-Vertrag oder Totalunternehmer – beide Modelle haben klare Stärken, klare Schwächen und klare Anwendungsfälle. Wer das verwechselt, zahlt drauf.

 

Was ist ein GMP-Vertrag?

GMP steht für Guaranteed Maximum Price – ein Vergabemodell, bei dem der Auftragnehmer eine Kostenobergrenze garantiert. Bis zu dieser Grenze wird auf Kostenbasis abgerechnet (transparent), darüber trägt der Auftragnehmer das Risiko. Häufig gibt es einen Saving-Share: Unterschreitet das Projekt die Obergrenze, teilen sich Auftraggeber und Auftragnehmer die Einsparung.


GMP setzt eine weit fortgeschrittene Planungstiefe voraus – ohne belastbare Ausführungsplanung lässt sich keine seriöse Kostenobergrenze garantieren.


Was ist ein Totalunternehmer-Modell (TU)?

Beim Totalunternehmer übernimmt ein einzelnes Unternehmen die gesamte Verantwortung für Planung und Ausführung – zum Festpreis. Der Auftraggeber kennt seinen Preis von Anfang an, trägt aber das Risiko von Qualitätsabstrichen: Der TU optimiert intern auf seine Marge, nicht auf die Interessen des Bauherrn.


Bei einem Data Center ist das problematisch: TGA-Qualität und Redundanztiefe sind schwer in Pauschalverträgen zu spezifizieren und werden daher gerne zugunsten der TU-Marge optimiert.


Wann ist welches Modell sinnvoll?

GMP ist sinnvoll, wenn die Planung weit entwickelt ist, der Investor hohe Kostentransparenz braucht und ein langfristiges Vertrauensverhältnis zum Auftragnehmer besteht. Bei komplexen Data Center Projekten mit vielen TGA-Schnittstellen kann GMP die bessere Lösung sein – vorausgesetzt, die Ausschreibungsgrundlagen sind sauber.


TU ist sinnvoll, wenn Planungskapazitäten beim Bauherrn fehlen, der Fertigstellungstermin oberste Priorität hat und der Investor bereit ist, einen Preisaufschlag für die Risikotragung des TU zu zahlen. Bei standardisierten Colocation-Modulen kann TU funktionieren – bei individuell entwickelten Hyperscale-Projekten ist es riskant.


Was das für die Entwicklungsphase bedeutet

Die Vergabemodell-Entscheidung liegt beim Investor – gemeinsam mit seinem Projektteam in der Realisierungsphase. Als Developer ist es meine Aufgabe, Investoren die Implikationen beider Modelle verständlich zu machen, damit diese Entscheidung informiert und nicht unter Zeitdruck getroffen wird. Ein Investor, der den Unterschied zwischen GMP und TU nicht versteht, bevor er einen Generalunternehmer beauftragt, hat ein strukturelles Problem.


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