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Was passiert, wenn kein professioneller Bauherr am Tisch sitzt: Drei typische Szenarien

  • Florian Späth
  • 7. Apr.
  • 3 Min. Lesezeit

Aus der Praxis: Wie fehlende professionelle Steuerung Bauprojekte teuer werden lässt


Bauherren, die ein Großprojekt ohne professionelle Vertretung ihrer Interessen angehen, erleben regelmäßig böse Überraschungen. Nicht weil alle Generalunternehmer und Planer bösen Willens wären. Sondern weil Großprojekte eine inhärente Komplexität haben, die ohne professionelle Steuerung zwangsläufig zu Problemen führt. Die folgenden drei Szenarien sind keine Einzelfälle. Sie sind typische Muster, die sich auf Großbaustellen ohne professionelle Bauherrenvertretung immer wieder wiederholen.


Szenario 1: Der Nachtragsberg

Ein Industrieunternehmen vergibt einen Generalunternehmervertrag für den Bau einer neuen Produktionshalle. Das Projekt startet gut. Aber nach einigen Monaten beginnen die Nachträge. Erst einzelne, überschaubare Positionen. Dann immer mehr, immer größer.


Das interne Projektteam ist mit der laufenden Baustellenkoordination ausgelastet. Für eine systematische Nachtragsbearbeitung fehlt die Kapazität. Nachträge werden geprüft, wenn Zeit ist. Manche werden akzeptiert, ohne dass ihre Berechtigung und Höhe wirklich geprüft wurden, einfach um Konflikte zu vermeiden.


Am Ende des Projekts liegt das Nachtragvolumen bei 30 Prozent des ursprünglichen Auftragswertes. Ein Teil davon wäre bei professioneller Begleitung nicht akzeptiert worden. Ein anderer Teil hätte früher verhandelt und zu besseren Konditionen abgeschlossen werden können.


Das ist kein ungewöhnliches Ergebnis. Auf Großbauprojekten ohne professionelles Nachtragsmanagement sind Kostenüberschreitungen von 20 bis 40 Prozent des ursprünglichen Auftragswertes keine Ausnahme.


Szenario 2: Der schleichende Terminverzug

Ein Energiekonzern baut eine neue technische Anlage. Der Terminplan ist ambitioniert, aber realisierbar. Die ersten Monate laufen plangemäß. Dann beginnt ein schleichender Verzug, der anfangs klein erscheint.


Zwei Wochen hier, drei Wochen da. Das interne Team notiert die Verzögerungen, spricht sie in Baubesprechungen an, bekommt Zusicherungen. Aber eine konsequente Analyse der Ursachen und eine systematische Gegensteuerung finden nicht statt. Der Druck auf den Generalunternehmer bleibt zu gering.


Sechs Monate vor dem geplanten Fertigstellungstermin ist klar, dass die Anlage nicht rechtzeitig in Betrieb gehen wird. Der Verzug hat sich auf vier Monate aufgebaut. Die wirtschaftlichen Folgen für den Auftraggeber sind erheblich: verzögerte Inbetriebnahme, Vertragsstrafen aus eigenen Lieferverträgen, Mehrkosten für Übergangsmaßnahmen.


Bei konsequenter Terminsteuerung und frühzeitiger Eskalation wäre ein erheblicher Teil des Verzugs vermeidbar gewesen.


Szenario 3: Die teure Abnahme

Ein Projektentwickler nimmt ein fertiggestelltes Gebäude ab. Die Abnahme erfolgt ohne systematische Mängelprüfung, weil der Druck groß ist und das Projekt zügig abgeschlossen werden soll. Einige offensichtliche Mängel werden protokolliert. Aber viele sind nicht sichtbar und werden erst später entdeckt.


Zwei Jahre nach der Abnahme tauchen Mängel auf, die bereits zum Zeitpunkt der Abnahme vorhanden waren aber nicht erkannt wurden. Verdeckte Mängel an der technischen Gebäudeausrüstung, Ausführungsfehler, die sich erst im laufenden Betrieb zeigen.


Die Mängelbeseitigung ist aufwendig, weil die Anlage in Betrieb ist und Einschränkungen den Zugang erschweren. Die Kosten sind erheblich höher als bei einer Beseitigung vor der Abnahme. Und die Durchsetzung der Mängelansprüche gegenüber dem Generalunternehmer ist schwierig, weil die Dokumentation lückenhaft ist.


Was diese Szenarien gemeinsam haben

Alle drei Szenarien haben eine gemeinsame Ursache: Es gab niemanden, der konsequent und ausschließlich die Interessen des Bauherrn vertreten hat. Niemanden, der Nachträge systematisch geprüft hat. Niemanden, der den Terminverzug frühzeitig erkannt und konsequent gegengesteuert hat. Niemanden, der die Abnahme mit der erforderlichen Sorgfalt durchgeführt hat.


Professionelle Bauherrenvertretung hätte alle drei Szenarien nicht vollständig verhindert, aber erheblich entschärft. Die Kosten einer professionellen Bauherrenvertretung wären in allen drei Fällen ein Bruchteil der entstandenen Schäden gewesen.


Fazit

Großprojekte ohne professionelle Bauherrenvertretung sind ein kalkulierbares Risiko, das regelmäßig eintritt. Kostenüberschreitungen durch unkontrollierte Nachträge, Terminverzug durch fehlende Konsequenz und Qualitätsprobleme durch unzureichende Abnahmen sind die typischen Folgen. Wer diese Risiken kennt, kann eine bewusste Entscheidung treffen. Die Erfahrung zeigt: Professionelle Bauherrenvertretung ist selten die teuerste Option.

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